E-Piano-Fachbegriffe in Klartext: das ehrliche Lexikon
Produktseiten der Hersteller sind ein Buchstabensalat aus GHS, PHA-4, Polyphonie und „Escapement“. Hier ist das Wörterbuch dazu – jeder Begriff in zwei, drei ehrlichen Sätzen, mit dem Hinweis, ob er kaufentscheidend ist oder Marketingdeko.
Tasten & Mechanik
Anschlagdynamik: Die Taste misst, wie schnell du sie drückst – leise bis laut. Haben heute selbst 100-€-Keyboards. Kaufentscheidend nur, wenn sie fehlt (Finger weg).
Gewichtete Tasten / Hammermechanik: Kleine Hämmer geben den Widerstand eines echten Klaviers wieder. Der Unterschied zwischen Keyboard und E-Piano – kaufentscheidend für alle, die Klavier lernen wollen. Gibt es praktisch erst ab 88 Tasten.
Halbgewichtet: Federwiderstand statt Hämmer – Kompromiss für Synthesizer- und Orgelspieler, kein Klavierersatz. Steht oft verschämt im Kleingedruckten.
Graded / skaliert (z. B. GHS, PHA-4, RH-III): Die Kürzel der Hersteller für ihre Mechanik-Generationen. „Graded“ heißt: unten schwerer als oben, wie beim Flügel. Die Kürzel selbst musst du nicht lernen – im Tasten-Vergleich steht, wie sie sich anfühlen.
Escapement / Druckpunkt: Das leise „Knacken“ kurz vor dem Auslösen, das eine Flügelmechanik hat. Nette Zugabe ab der Mittelklasse, kein Muss für Anfänger.
Holztasten: Oberklasse-Merkmal (z. B. Clavinova CLP-845): Massivholz statt Kunststoff im Tastenkern. Fühlt sich edler an, macht aber niemanden schneller besser.
Klang
Sampling: Der Klang ist eine Aufnahme echter Flügel – Ton für Ton, in vielen Lautstärken. Standard bei fast allen E-Pianos.
Modeling: Der Klang wird physikalisch berechnet statt abgespielt – reagiert dadurch stufenlos. In Oberklasse und bei Roland verbreitet. Sampling vs. Modeling ist Geschmack, kein Qualitätsranking.
Polyphonie (z. B. 192-stimmig): Wie viele Töne gleichzeitig klingen dürfen, bevor die ältesten abgeschnitten werden. Ab 64 Stimmen reicht es fürs Lernen locker; 192 oder 256 sind schön, aber kein Kaufgrund.
Resonanz-Simulation: Saiten- und Dämpferresonanzen werden nachgebildet – der „Raum“ im Klang, wenn du das Pedal trittst. Hörbar ab der Mittelklasse, Marketingwort darunter.
Konzertflügel-Namen (CFX, SK-EX, Imperial): Sagt, welcher echte Flügel aufgenommen wurde. Hintergrund in unserem Königsklasse-Artikel.
Anschlüsse & Technik
USB-to-Host (USB-B): Die Buchse Richtung Computer/Tablet – überträgt MIDI, bei neueren Geräten auch Audio. Wichtigster Anschluss für Lern-Apps; das Kabel liegt selten bei.
MIDI: Notendaten, kein Klang: welche Taste, wie fest, wie lange. Damit steuerst du Apps, DAWs und andere Klangerzeuger. Details im MIDI-Guide.
Bluetooth-MIDI / -Audio: Dasselbe kabellos: MIDI zur Lern-App (praktisch), Audio vom Tablet in die Piano-Lautsprecher (Komfort). Zum Aufnehmen ungeeignet – Funk hat Verzögerung.
Line Out: Ausgang für Verstärker, Boxen oder Mischpult. Fehlt er, muss die Kopfhörerbuchse herhalten – geht, ist aber die Notlösung. Mehr im Anschluss-Guide.
Sustain-Buchse vs. Halbpedal: Jede Pedalbuchse nimmt einen simplen Fußtaster. „Halbpedal“ heißt: Das Instrument versteht auch Zwischenstellungen wie ein echtes Klavier – dafür braucht es das passende Pedal (z. B. DP-10 statt Fußtaster).
Begleitautomatik / Styles: Die Einmannband der Keyboards: Schlagzeug und Band folgen deinen Akkorden. Großartig für Entertainer, irrelevant fürs klassische Klavierlernen.
Marketing-Wörter zum Überlesen
„Konzertflügel-Erlebnis“, „authentisches Spielgefühl“, „Studio-Qualität“: Bedeuten nichts, solange daneben nicht Mechaniktyp, Tastenzahl und Polyphonie stehen. Unsere Regel: Steht das Messbare nicht dabei, ist das Fühlbare erfunden.
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Kuratiert und ehrlich kommentiert – bei jedem Produkt steht auch, was dagegen spricht.
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